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Freier Wille: Realität oder Illusion? Was Philosophie und Wissenschaft sagen...

 Eine moderne Theorie des freien Willens: Eine Synthese aus Neurowissenschaft und Philosophie von Ralf Mydlak Abstract Die Debatte um den freien Willen ist seit Jahrhunderten zentral für Philosophie und Wissenschaft. Neurowissenschaftliche Experimente (Libet, Haynes) haben gezeigt, dass viele Entscheidungen bereits unbewusst vorbereitet werden, was die traditionelle Vorstellung eines radikal autonomen Bewusstseins infrage stellt. Dennoch legen sowohl philosophische Überlegungen (Kant, Nietzsche, Sartre, Camus, Foucault) als auch experimentelle Befunde nahe, dass das Bewusstsein eine regulierende und korrigierende Funktion hat. Dieser Aufsatz argumentiert, dass eine moderne Theorie des freien Willens als bewusste Praxis innerhalb determinierter Rahmenbedingungen zu verstehen ist. Freiheit existiert nicht als absolute Spontaneität, sondern als die Fähigkeit zur bewussten Kontrolle, Reflexion und Gestaltung des eigenen Handelns. 1. Einleitung: Die Krise des freien Willens Die Vorstell...

Der letzte Mensch und die unsichtbaren Fäden der Macht

  Der letzte Mensch und die unsichtbaren Fäden der Macht von Ralf Mydlak Ein Essay über Trägheit, Macht und die Möglichkeit des Erwachens I. Einleitung: Das Lachen des letzten Menschen Es gibt eine Szene in "Also sprach Zarathustra", die beunruhigender ist als alle anderen. Zarathustra spricht zum Volk, verkündet die Idee des Übermenschen – doch statt Bewunderung erntet er nur Spott. Die Menschen lachen. Sie haben das Glück erfunden, sagen sie – und was braucht es mehr? Dieser letzte Mensch, den Nietzsche beschreibt, hat jede Sehnsucht nach Höhe verloren. Er verzichtet auf Gestaltung und begnügt sich mit Erhaltung. Doch was hat ihn in diese Haltung getrieben? Ist es schlichte Müdigkeit? Oder ist er, wie Foucault es analysieren würde, nicht einfach nur Opfer seiner eigenen Trägheit, sondern vielmehr Produkt einer subtilen, unsichtbaren Macht? Das Wesen dieser Macht liegt nicht in Gewalt oder Unterdrückung. Sie wirkt durch Formung. Sie zähmt nicht mit Ketten, sondern mit Ablenk...

Leben wir im Zeitalter des „letzten Menschen“?

  L eben wir im Zeitalter des „letzten Menschen“? Eine philosophische Betrachtung über Vergessen, Kontrolle und das Streben nach mehr Ralf Mydlak Einleitung Es war einmal eine Zeit, in der der Mensch in den Himmel blickte und Sterne nicht nur sah, sondern nach ihnen griff. Heute aber – so raunt es Friedrich Nietzsches Zarathustra – blinzelt er nur noch und fragt: „Was ist ein Stern?“ Der letzte Mensch, so prophezeite Nietzsche, sei jener, der das Feuer der Sehnsucht verlöschen ließ, der Sicherheit über Gefahr, Komfort über Größe und das Glück über das Wagnis stellte. Und so fragen wir uns: Leben wir in seinem Zeitalter? Doch das Denken stirbt nie allein. Es hat Erben, die es forttragen – oder begraben. Jean-François Lyotard, Michel Foucault, Wolfgang Müller-Lauter, Theodor W. Adorno und andere Denker folgten Nietzsches Spuren und zeichneten neue Karten jener Welt, die er vorhersah. Sind wir heute wirklich letzte Menschen – oder nur Reisende in einer Welt, die zwischen Vergessen und...

Mal wieder Camus ....

  Mal wieder Camus... Von Ralf Mydlak 13. März 2021 Seit frühen Tagen begleitet mich Albert Camus, sein Werk ein treuer Weggefährte meiner Gedanken. Und doch – seine Philosophie widerspricht mir tief, ähnlich wie die Nietzsches. Unausgesprochen ruht in seinem Denken die Last des Theodizee-Problems, für das er keinen Trost, keine Antwort kennt. Sein Ausgangspunkt ist stets das „Absurde“. Dieses Absurde ist für Camus die klare, kalte Erkenntnis: Der Mensch findet keinen Sinn im Leid und Elend der Welt. Doch bleibt er gefangen im Drang nach Sinn, nach Bedeutung. Der sinnstrebende Mensch und die sinnentleerte Welt stehen einander fremd gegenüber, entzweit, ratlos. Es gibt keinen Ausgang aus diesem Dilemma, keine Flucht vor der Absurdität. Allein ihre Annahme eröffnet die Tür zu einer seltsamen Freiheit: ein bewusstes Ja zum aussichtslosen Kampf, ein ewiges, trotziges Aufstehen – wie Sisyphos, der Tag um Tag seinen Stein aufs Neue den Hügel hinaufträgt, getragen von einem höhnisch...

Mascha Kaléko

  Mascha Kaléko Von Ralf Mydlak Mascha Kaléko wurde 1907 in Galizien geboren und blieb Zeit ihres Lebens eine Wanderin zwischen Welten. Berlin wurde für kurze Zeit ihre scheinbare Heimat. Hier, im berühmten „Romanischen Café“, saß sie mit Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Else Lasker-Schüler zusammen. Hier veröffentlichte sie ihre Gedichte in der „Vossischen Zeitung“ – Gedichte des Alltags, durchzogen von Witz, Selbstironie, unsentimental und frei von jedem Pathos. Ihr erstes Buch, „Das lyrische Stenogrammheft“, erschien 1933. Bereits bevor das NS-Regime eine weitere Verbreitung verhindern konnte, war die erste Auflage vergriffen. Berlin – das war ihre Stadt, und der Abschied fiel ihr schwer. Erst spät, beinahe zu spät, entschloss sie sich 1938 ins Exil zu gehen. Mit ihrem Mann, Chemjo Vinaver, ließ sie sich in New York nieder. Dort erwartete sie das Exiliantenschicksal mit all seinen Härten, besonders den materiellen. Chemjo Vinaver, der sein ganzes Leben...

Kosmos und Chaos - Gedanken zur Schöpfung

  Kosmos und Chaos – Gedanken zur Schöpfung Von Ralf Mydlak 20.10.2012 Immer wieder faszinierend ist der Blick zurück auf die alten Schöpfungsmythen und ihr Vergleich mit den Erkenntnissen moderner Naturwissenschaften. In den Religionen des alten Orients erwächst der Kosmos aus dem Chaos. Das Geordnete entsteht aus dem Ungeordneten, das Leben aus den Tiefen einer uralten, wilden Kraft. Chaos ist dabei keine abstrakte Idee, sondern bereits vorhandene Wirklichkeit – Teil der Natur, aus der Ordnung erwächst. Im altbabylonischen Schöpfungsbericht trägt dieses ursprüngliche Chaos den Namen Tiamat, dargestellt als weiblicher Drache – Verkörperung von Urgewalt und Unordnung. Tiamat, jene dunkle, wilde Macht, wird vom Gott Marduk im großen Kampf überwunden, getötet. Aus ihrem leblosen Körper formt er Himmel und Erde, die geordnete Welt – Kosmos aus Chaos, Leben aus Tod. Ganz anders die moderne Wissenschaft, deren Schöpfungsgeschichte in Zahlen und Gleichungen geschrieben steht. In ihr begi...

Conditio Humana

  C onditio Humana von Ralf Mydlak „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben hat seine Stunde...“ – Dieser Satz, dem Buch Kohelet entnommen, wird oft zitiert und gern bei Hochzeiten verwendet. Doch wer ihn bloß sentimental gebraucht, verkennt die tiefgründige Melancholie und Klarheit, die das Denken Kohelets auszeichnet. Kohelet steht ursprünglich in der Tradition der Weisheitslehre, die zu ordnen und zu erklären sucht, was in der Welt geschieht. Weisheit, so verstanden, ist das Versprechen, die Welt geistig erfassen und beherrschen zu können. Ein gelungenes Leben ist denen gewiss, die um die Ordnung des Lebens wissen und ihre Regeln befolgen. Doch gerade mit dieser Gewissheit bricht Kohelet radikal und endgültig. „Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?“, so lautet Kohelets ernüchternde Ausgangsfrage. Für ihn ist alles menschliche Tun „Windhauch“ – flüchtig, ungreifbar, ohne bleibenden Sinn. Die Zeit, die uns gegeben ist, bleibt ...

Kant ist tot ...

Kant ist tot … mausetot in seinem Geburtsland, jedenfalls, wenn man den öffentlichen Diskurs beobachtet. Würde sein Geist leben, stünde auf jedem öffentlichen Gebäude einer seiner zentralen Sätze: “ Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.” Wie wenig sein Geist in diesem Land lebt, merkt man spätestens beim Einschalten des Fernsehgerätes. So geißelte sich am Montagabend ein Kommentator des WDR in den Tagesthemen als Konsumjunkie, der gerne Auto fährt, grillt, fliegt und an Korallenriffen taucht. Kam die katholische Kirche in früheren Zeiten noch mit 7 Todsünden aus, so ist diese Liste ja in Zeiten der “Klimakatastrophe” noch um mindestens diese 4 Todsünden zu erweitern. Nun gut, vom reuigen Sünder erwartet man, dass er aus freien Stücken von seinen bösen Taten lässt. Oder moderner ausgedrückt: Der mündige Bürger kann sein Tun korrigieren. Nun geht aber das Kant Zitat weiter: “Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitun...

Engelberts Schemm

Wenn man in Bad Westernkotten über die Antoniusstraße ins Muckenbruch (zum Muckenbruch, vgl. meinen Beitrag vom 21.März 2019 geht, gelangt man zu einem nach links abzweigenden, etwa einen Meter breiten Graben, der zur Gieseler, genauer zur so genannten Überflut an der Gieseler führt. Dabei handelt es sich um ein Steinwehr in der Gieseler, das das Wasser staut und nur in d er Mitte durch eine schmale Öffnung durchfließen lässt. Der Volksmund bezeichnet dieses Wehr als „Engelberts-Schemm“. Schön, werden Sie sich als Leser eines Beitrages in der Gruppe „Historisches Lippstadt“ fragen, aber was hat dies mit Lippstadt zu tun? Um die Antwort hierauf zu finden, muss man weiter in der Geschichte zurückgehen: nämlich in die Zeit des Festungsbaus.Der systematische Ausbau der Lippstädter Festungsanlagen begann 1623 mit der Verstärkung der Stadttore durch Bastionen. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Festungsanlagen immer weiter entwickelt. So entstand unter anderem aus der Zusammenlegung...

Jüdisches Leben in Lippstadt

Jüdisches Leben in Lippstadt von Ralf Mydlak Über die Jahrhunderte hinweg, durch Zeiten der Hoffnung und der Dunkelheit, hallt das Echo jüdischen Lebens in Lippstadt wider. Einst, in frühen Tagen, zogen Händler durch die Gassen, brachten Waren, Geschichten und Träume mit sich. Doch die Pestpogrome von 1348/1349 ließen ihre Spuren zurück – Stille trat an die Stelle von Stimmen, die einst lachten und handelten. Erst Jahrhunderte später, 1535, tauchten wieder Spuren jüdischen Lebens auf, zart wie ein Neubeginn, doch stets bedroht von den Winden der Zeit. Im Schatten der Zünfte wurde um 1580/1600 der Ausschluss jüdischer Familien aus der Stadt besiegelt. Doch selbst das Gesetz konnte ihre Präsenz nicht völlig tilgen – sie kamen zu den Jahrmärkten, durch die Straßen von Lipperode, jener Exklave des Landes Lippe, die ihnen einen schmalen Pfad des Daseins bot. Sie umgingen die Schranken der Welt mit Mut und Geschick. Erst nach 1815 kehrte Leben zurück. Familien wagten den Schritt und fanden H...

Der Soldat Wojtek - Der Held der 22. Kompanie

Der Soldat Wojtek - Der Held der 22.  Kompanie Archibald Brown hatte während des Krieges schon viel erlebt. Doch was der Gesandte des britischen Generals Montgomery im Hafen von Neapel erlebte, verschlug ihm den Atem. Es war Mitte Februar 1944, als er eine Einheit polnischer Soldaten empfing, die gerade aus Alexandria eingeschifft worden waren, um gemeinsam mit den Briten gegen die deutschen und italienischen Streitkräfte vorzurücken. Browns Aufgabe war es, die Besatzungslisten zu prüfen und mit den frisch eingetroffenen Soldaten zu sprechen. Doch einer schien zu fehlen. Eine Dienstnummer, ein Soldbuch, alles war vorhanden – nur der Soldat Wojtek schien spurlos verschwunden zu sein! Brown rief seinen Namen mehrfach auf, aber niemand antwortete ihm. So fragte er die anderen Soldaten nach dem Verbleib Wojteks. Na ja, antworteten die polnischen Kameraden, Wojtek verstehe halt nur Polnisch und Persisch. Und so führten sie Brown zu einem Käfig. Darin hockte ein ausgewachsen...

Der Peststein von Westernkotten

Der Peststein von Westernkotten Strenggenommen ist dies keine Geschichte die zum historischen Lippstadt gehört. Aber die Historie der einzelnen Orte unserer Heimat ist derart miteinander verwoben, dass man mir diesen Lapsus nachsehen möge. Östlich von Bad Westernkotten liegt ein Waldstück, das den ortsfremden Besucher nicht auf den ersten Blick vermuten lässt, dass sich hier eines der letzten Niedermoore des Kreises Soest befindet: das Muckenbruch. Das Gebiet entstand nach der letzen Eiszeit. Gespeist durch Schmelzwasser schuf die Gieseler hier eine breite Talaue. Unter dieser befindet sich eine wasserundurchlässige Schicht, welche früher als "Emschermergel" bezeichnet wurde. Unter dem Muckenbruck bildet diese eine muldenartige Vertiefung, welche dazu führt, dass das Muckenbruck ständig durchfeuchtet ist. Der Name leitet sich von den ziegelsteingroßen Stücken, den "Mucken" ab, welche die Einwohner Westernkottens ausstachen und nach dem Trocknen zum Heizen nut...

Idyllische Nische in der Stadt

Geht man durch unsere Stadt stößt man allenthalben auf historische Zeugnisse. So findet sich westlich angrenzend zum Nicolaiviertel entlang der Klosterstraße eine schöne Bruchsteinmauer. Durch ein Tor gelangt der Besucher in einen lauschigen Rosengarten. Platanen bilden im Hintergrund ein dichtes Dach. Zwei Brunnen sowie niedrige Bruchsteinfundamente künden von einer längst untergegangenen Epoche . Noch im historischen Stadtplan von Roscher aus dem Jahre 1776 wurde die heutige Klosterstraße als "Süster Straße" bezeichnet. Der Name "Schwestern Straße" erinnert an die "Schwestern vom gemeinsamen Leben", die sich hier 1435 niederließen. Die Süsters strebten nach dem Ideal einer inneren Frömmigkeit ohne aber ein Gelübte abzugeben und ohne eine Ordenstracht. Sie lebten "durch ihrer Hände Arbeit" und dem Verkauf selbsterzeugter Waren. Dies änderte sich durch die Annahme der Ordensregel der Augustiner am 11. November 1453. So entstand hier Lippstadts kl...

Earth is coming up ...

Earth is coming up ... von Ralf Mydlak Dreihundertachtzigtausend Kilometer entfernt von ihrem Heimatplaneten schwebt die kleine Kommandokapsel zweihundert Kilometer über der trostlosen Oberfläche des Mondes. Vor genau 75 Stunden und 47 Minuten haben drei Astronauten ihre Erde verlassen. Es ist der 24. Dezember 1968, Heiligabend in der Mondumlaufbahn. Bereits zum dritten Mal umkreisen Kommandant Frank Bormann und die Piloten James Lovell und William Anders den Mond. Alles wirkt vertraut. Routine, hundertfach geübt, jeder Handgriff sitzt. Zu Beginn der vierten Umrundung richtet Bormann die Kapsel aus, um mithilfe der Sterne die genaue Position zu bestimmen. Langsam schiebt sich die mondgraue Oberfläche in das Blickfeld der kleinen Bullaugen – ein schmaler, grauer Streifen vor der endlosen Schwärze des Weltalls. Für einen Moment herrscht absolute Stille. Dann, nach exakt 75 Stunden, 47 Minuten und 30 Sekunden, durchbricht ein Ruf die Enge der Kabine: „Oh my God!“ So...

Mascha Kaléko

1907 in Galizien geboren, blieb sie lebenslang eine Wanderin. In Berlin fand sie scheinbare Heimat. Hier saß sie mit Ringelnatz, Tucholski, Erich Kästner, Elke Lasker-Schüler im "Romantischen Café". Sie veröffentlichte ihre Gedichte in der "Vossischen Zeitung". Alltagsgedichte, witzig,voller Selbstironie, unsentimental und bar von jeglichem Pathos. Ihr erstes Buch "Das lyrische Stenogrammheft" erschien 1933. Bevor das Nazi-Regime die weitere Verbreitung unmöglich machte, war die erste Auflage vergriffen. Berlin - das war ihre Stadt! Spät - fast zu spät - ging sie deshalb in das Exil. Erst 1938 verließ sie Deutschland und ließ sich mit ihrem Mann Chemjo Vinaver in New York nieder. Exiliantenschicksal - mit all seinen auch materiellen Härten. Chemjo Vinaver hatte sich sein Leben lang mit chassidischer Musik beschäftigt. Er gab Konzerte, gründete einen Chor, lernte aber kaum ein Wort Englisch. Mascha Kalèko musste alle Besprechungen und Verhandlungen führen. ...

Kohelet

"Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben hat seine Stunde ...". Dies ist wohl der bekannteste Satz aus dem Buch Kohelet, welcher auch gern als Trauspruch gewählt wird. Doch verkennt man damit den spezifischen Charakter des Denkens Kohelets. Kohelet ist ganz im Sinne der herkömmlichen Weisheitslehre ausgebildet worden. "Weisheit" bedeutet in diesem Sinne das Bemühen, die Wirklichkeit zu ordnen, zu erfassen, und zu erklären. Sie stellt Regeln auf, nach denen das Leben in allen seinen Facetten abläuft. Ein gelungenes Leben ist dem sicher, der diese Regeln kennt und sie einhält. Der Weisheitslehre liegt die optimistische Grundüberzeugung zugrunde, dass die Wirklichkeit denkerisch zu bewältigen ist. Mit dieser Gewissheit bricht Kohelet radikal: "Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne,“ lautet seine Ausgangsfrage. Alles ist nur "Windhauch", besonders der Versuch im Lauf der Welt irgendeinen Sinn zu entd...