Kant ist tot … mausetot in seinem Geburtsland, jedenfalls, wenn man den öffentlichen Diskurs beobachtet. Würde sein Geist leben, stünde auf jedem öffentlichen Gebäude einer seiner zentralen Sätze: “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.” Wie wenig sein Geist in diesem Land lebt, merkt man spätestens beim Einschalten des Fernsehgerätes. So geißelte sich am Montagabend ein Kommentator des WDR in den Tagesthemen als Konsumjunkie, der gerne Auto fährt, grillt, fliegt und an Korallenriffen taucht. Kam die katholische Kirche in früheren Zeiten noch mit 7 Todsünden aus, so ist diese Liste ja in Zeiten der “Klimakatastrophe” noch um mindestens diese 4 Todsünden zu erweitern. Nun gut, vom reuigen Sünder erwartet man, dass er aus freien Stücken von seinen bösen Taten lässt. Oder moderner ausgedrückt: Der mündige Bürger kann sein Tun korrigieren. Nun geht aber das Kant Zitat weiter: “Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.” Und nun kommt diese fast sehnsüchtige Bitte eines Kommentators, der sich selbst wahrscheinlich als aufgeklärten Menschen sehen wird an den Staat: “Macht Fleisch, Autofahren und Fliegen so verdammt teuer, dass wir davon runterkommen.” Mit anderen Worten: ein anderer soll mich leiten, soll es richten, was ich selbst nicht hinbekomme. Wenn das nicht ein Musterbeispiel für die Definition der Unmündigkeit ist! Und wenn ich es recht überlege: auch für den Begriff Masochismus. “Staat, bitte, bitte, schlag mich …” Wie gesagt in Anlehnung an Nietzsche: “Kant ist tot und wir haben ihn getötet!”
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