Wenn man in Bad Westernkotten über die Antoniusstraße ins Muckenbruch (zum Muckenbruch, vgl. meinen Beitrag vom 21.März 2019 geht, gelangt man zu einem nach links abzweigenden, etwa einen Meter breiten Graben, der zur Gieseler, genauer zur so genannten Überflut an der Gieseler führt. Dabei handelt es sich um ein Steinwehr in der Gieseler, das das Wasser staut und nur in der Mitte durch eine schmale Öffnung durchfließen lässt. Der Volksmund bezeichnet dieses Wehr als „Engelberts-Schemm“.
Schön, werden Sie sich als Leser eines Beitrages in der Gruppe „Historisches Lippstadt“ fragen, aber was hat dies mit Lippstadt zu tun? Um die Antwort hierauf zu finden, muss man weiter in der Geschichte zurückgehen: nämlich in die Zeit des Festungsbaus.Der systematische Ausbau der Lippstädter Festungsanlagen begann 1623 mit der Verstärkung der Stadttore durch Bastionen. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Festungsanlagen immer weiter entwickelt. So entstand unter anderem aus der Zusammenlegung von verschiedenen Wasserläufen die Südliche Umflut. Gespeist wurde diese durch einen Graben, die „Weihe“. Und hier kommt nun das Engelberts Schemm ins Spiel: um eine ausreichende Wasserversorgung der Weihe zu gewährleisten, schuf man um 1678 eine künstliche Anbindung der Gieseler an die Weihe. Zu diesem Zweck wurde in der Gieseler ein Wehr, das heutige Engelberts Schemm, zum Aufstauen des Wassers errichtet, welches dann durch die Weihe nach Lippstadt umgeleitet wurde. Die Weihe diente jedoch nicht nur zur Speisung der Festungsgräben, sondern auch dem Antrieb der Mühle des Schlosses Overhagen und der Bettinghausener Mühle, zu Feuerlöschzwecken und dem Abtransport von Unrat aus den Straßen der Stadt. Wie wichtig die Versorgung der Stadt durch das Wasser der Weihe zeigt ein Vertrag vom 9. Oktober 1678 zwischen dem Overhagener Schlossherren, dem Herrn von Schorlemer, und Vertretern der Stadt Lippstadt. Die Parteien einigten sich damals darauf, dass Herrn von Schorlemer 1/3 des Wassers zum Betrieb seiner Mühlen in Overhagen und Bettinghausen und der Stadt Lippstadt 2/3 des Wassers zustehen. Ein Recht im Übrigen, welches heute noch besteht. Das heutige Stauwehr erhielt seine Form 1883. Seit dem Jahr 2000 führt eine Brücke über das Engelberts Schemm.
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