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Der Peststein von Westernkotten

Der Peststein von Westernkotten Strenggenommen ist dies keine Geschichte die zum historischen Lippstadt gehört. Aber die Historie der einzelnen Orte unserer Heimat ist derart miteinander verwoben, dass man mir diesen Lapsus nachsehen möge. Östlich von Bad Westernkotten liegt ein Waldstück, das den ortsfremden Besucher nicht auf den ersten Blick vermuten lässt, dass sich hier eines der letzten Niedermoore des Kreises Soest befindet: das Muckenbruch. Das Gebiet entstand nach der letzen Eiszeit. Gespeist durch Schmelzwasser schuf die Gieseler hier eine breite Talaue. Unter dieser befindet sich eine wasserundurchlässige Schicht, welche früher als "Emschermergel" bezeichnet wurde. Unter dem Muckenbruck bildet diese eine muldenartige Vertiefung, welche dazu führt, dass das Muckenbruck ständig durchfeuchtet ist. Der Name leitet sich von den ziegelsteingroßen Stücken, den "Mucken" ab, welche die Einwohner Westernkottens ausstachen und nach dem Trocknen zum Heizen nut...

Idyllische Nische in der Stadt

Geht man durch unsere Stadt stößt man allenthalben auf historische Zeugnisse. So findet sich westlich angrenzend zum Nicolaiviertel entlang der Klosterstraße eine schöne Bruchsteinmauer. Durch ein Tor gelangt der Besucher in einen lauschigen Rosengarten. Platanen bilden im Hintergrund ein dichtes Dach. Zwei Brunnen sowie niedrige Bruchsteinfundamente künden von einer längst untergegangenen Epoche . Noch im historischen Stadtplan von Roscher aus dem Jahre 1776 wurde die heutige Klosterstraße als "Süster Straße" bezeichnet. Der Name "Schwestern Straße" erinnert an die "Schwestern vom gemeinsamen Leben", die sich hier 1435 niederließen. Die Süsters strebten nach dem Ideal einer inneren Frömmigkeit ohne aber ein Gelübte abzugeben und ohne eine Ordenstracht. Sie lebten "durch ihrer Hände Arbeit" und dem Verkauf selbsterzeugter Waren. Dies änderte sich durch die Annahme der Ordensregel der Augustiner am 11. November 1453. So entstand hier Lippstadts kl...

Earth is coming up ...

Earth is coming up ... von Ralf Mydlak Dreihundertachtzigtausend Kilometer entfernt von ihrem Heimatplaneten schwebt die kleine Kommandokapsel zweihundert Kilometer über der trostlosen Oberfläche des Mondes. Vor genau 75 Stunden und 47 Minuten haben drei Astronauten ihre Erde verlassen. Es ist der 24. Dezember 1968, Heiligabend in der Mondumlaufbahn. Bereits zum dritten Mal umkreisen Kommandant Frank Bormann und die Piloten James Lovell und William Anders den Mond. Alles wirkt vertraut. Routine, hundertfach geübt, jeder Handgriff sitzt. Zu Beginn der vierten Umrundung richtet Bormann die Kapsel aus, um mithilfe der Sterne die genaue Position zu bestimmen. Langsam schiebt sich die mondgraue Oberfläche in das Blickfeld der kleinen Bullaugen – ein schmaler, grauer Streifen vor der endlosen Schwärze des Weltalls. Für einen Moment herrscht absolute Stille. Dann, nach exakt 75 Stunden, 47 Minuten und 30 Sekunden, durchbricht ein Ruf die Enge der Kabine: „Oh my God!“ So...

Mascha Kaléko

1907 in Galizien geboren, blieb sie lebenslang eine Wanderin. In Berlin fand sie scheinbare Heimat. Hier saß sie mit Ringelnatz, Tucholski, Erich Kästner, Elke Lasker-Schüler im "Romantischen Café". Sie veröffentlichte ihre Gedichte in der "Vossischen Zeitung". Alltagsgedichte, witzig,voller Selbstironie, unsentimental und bar von jeglichem Pathos. Ihr erstes Buch "Das lyrische Stenogrammheft" erschien 1933. Bevor das Nazi-Regime die weitere Verbreitung unmöglich machte, war die erste Auflage vergriffen. Berlin - das war ihre Stadt! Spät - fast zu spät - ging sie deshalb in das Exil. Erst 1938 verließ sie Deutschland und ließ sich mit ihrem Mann Chemjo Vinaver in New York nieder. Exiliantenschicksal - mit all seinen auch materiellen Härten. Chemjo Vinaver hatte sich sein Leben lang mit chassidischer Musik beschäftigt. Er gab Konzerte, gründete einen Chor, lernte aber kaum ein Wort Englisch. Mascha Kalèko musste alle Besprechungen und Verhandlungen führen. ...

Kohelet

"Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben hat seine Stunde ...". Dies ist wohl der bekannteste Satz aus dem Buch Kohelet, welcher auch gern als Trauspruch gewählt wird. Doch verkennt man damit den spezifischen Charakter des Denkens Kohelets. Kohelet ist ganz im Sinne der herkömmlichen Weisheitslehre ausgebildet worden. "Weisheit" bedeutet in diesem Sinne das Bemühen, die Wirklichkeit zu ordnen, zu erfassen, und zu erklären. Sie stellt Regeln auf, nach denen das Leben in allen seinen Facetten abläuft. Ein gelungenes Leben ist dem sicher, der diese Regeln kennt und sie einhält. Der Weisheitslehre liegt die optimistische Grundüberzeugung zugrunde, dass die Wirklichkeit denkerisch zu bewältigen ist. Mit dieser Gewissheit bricht Kohelet radikal: "Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne,“ lautet seine Ausgangsfrage. Alles ist nur "Windhauch", besonders der Versuch im Lauf der Welt irgendeinen Sinn zu entd...